Kranke Pflege von Alexander Jorde

9. März 2019 - 11:00
Gibt es einen Pflegenotstand wirklich und wie sieht die Krankenpflege in Deutschland aus? Mehr dazu in diesem Blogpost

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Wenn ihr an Pflege denkt, was kommt euch in den Sinn?

Meine Einstellung zur Pflege hat sich durch all die Erlebnisse im vergangenen Jahr stark verändert. Davor war ich der Meinung, dass wir in Deutschland eines der besten gesundheitlichen Versorgungen haben. Mittlerweile hat sich das zu „hoffentlich bleibe ich lange genug gesund und muss nie in ein Krankenhaus“ geändert.

Mir war unklar, wie katastrophal die Umstände in vielen Krankenhäusern sind.

Letztes Jahr habe ich als Angehörige unzählige Stunden in Krankenhäusern verbracht. Die meiste Zeit damit, dass ich gewartet habe, um mit einem Arzt zu reden. Wenn man wartet, dann hat man ausreichend Zeit, um zu beobachten wie z.B. mit Patienten umgegangen wird oder wie die Stimmung auf den jeweiligen Stationen ist. Und beides fühlte sich sehr gestresst an. Nicht weil die Mitarbeiter aufgrund vermeintlich mangelnder Qualifikation oder Wissen überfordert und somit gestresst gewesen wären, sondern viel mehr, aufgrund des enormen Arbeitspensums gepaart mit einer schlechten Organisation. Wobei ich mich frage, ob die Abläufe deshalb so schlecht organisiert waren, weil es zu wenig Mitarbeiter sind?

Ich habe gesehen, zu was Unterbesetzung führen kann und möchte euch anhand eigener Erlebnisse zeigen, welchen Unterschied eine gut ausgebildete Pflegekraft ausmachen kann, die zudem auch die nötige Zeit pro Patient zugeteilt bekommt.

Mein Vater fiel über Nacht Zuhause ins Koma und kam direkt auf die Intensivstation. Dort lag er zwei Wochen und kam dann auf die Normalstation. Da ist den Pflegern seine Verwirrung aufgefallen und weil die Symptome so schnell bemerkt wurden, konnten entsprechend umgehend die Behandlungsmaßnahmen angepasst werden. Dem Pflegepersonal ist sein Zustand nur aufgefallen, weil sie die Zeit hatten, sich mit ihm zu unterhalten – ihm zuzuhören. Es waren nämlich nur einige wenige Sätze, die sie zum Stutzen gebracht haben. Vom Verhalten selbst war nichts zu erkennen. Dank der schnellen Vorgehensweise konnte der Gesundheitszustand von meinem Vater wie fast vor dem Vorfall wieder hergestellt werden.

Bei meiner Oma sieht das Ganze schon etwas anders aus. Sie war vergangenes Jahr öfters im Krankenhaus. Und in diesem Krankenhaus konnte man leider genau sehen, was passiert, wenn Stationsmitarbeiter überlastet sind.

Einmal ist meine Oma aus dem Bett gefallen und lag dann für einige Stunden am Boden, bis sie von den Pflegern entdeckt wurde. Als man sie gefunden hat, wurde sie zwar gefragt, ob ihr etwas weh tut und wurde einfach wieder ins Bett gelegt; weil sie das verneinte. Auch ohne Fachkenntnisse möchte ich behaupten, dass man in solch einem Moment – selbst nach Stunden – eher im Schockzustand befindet und es daher leicht passieren kann, dass man Verletzungen nicht gleich spürt. Meine Oma wurde am nächsten Tag entlassen und dabei wurde meinem Onkel gegenüber nebenbei vom Vorfall erzählt. Zuhause, als meine Oma sich in Sicherheit wähnte, gab sie zu, schwere Schmerzen zu haben. Also wieder zurück ins Krankenhaus und dort hat man dann endlich Röntgenaufnahmen gemacht. Dabei hat sich herausgestellt, dass meine Oma einen gebrochenen Lendenwirbel hat.

Meine Oma hat Demenz, was den Stationsmitarbeitern bekannt war. Bei einem der Aufenthalte hat meine Oma vergessen, weshalb sie im Krankenhaus war. Sie hat sich die Zugänge aus ihrem Arm gerissen und wollte nach Hause. Leider hat das alles ziemlich stark zu Bluten angefangen, was sich auch auf ihren Kreislauf ausgewirkt hat. Das einzig Gute daran: sie hat sich sofort wieder ins Bett gelegt. Als später mein Onkel mit meiner Mama im Krankenhaus war, haben sie sie in einem vollgeblutetem Bett vorgefunden. Als meine Mutter die Pfleger daraufhin ansprach, bekam sie lediglich die Antwort „sie wollte nicht, dass wir sie anfassen und das Bett wechseln“ – so einfach war das. Es war weder die Wunde versorgt, noch der Zugang neu gelegt. Von einem sauberen Bett ganz zu schweigen. Letzteres haben dann meine Mama und ihr Bruder übernommen und bei der Gelegenheit auch gleich die Kleidung von meiner Oma gewechselt.

Insbesondere die Vorfälle bei meiner Oma haben gezeigt, dass manche Krankenhäuser darauf bauen, dass die Angehörigen sich um die Patienten kümmern. Nur was, wenn die Patienten keine Angehörigen haben oder keine in unmittelbarer Nähe?

Die Mitarbeiter werden aus Kostengründen nur auf das Mindeste eingeteilt und sind somit bereits bei Schichtbeginn überlastet. Entsprechend werden solche Gelegenheiten wie „sie wollte nicht…“ dafür genutzt, sich anderen Aufgaben zu widmen. Solche Vorkommnisse werden nur als Belastung angesehen und dabei wird vergessen, dass da noch immer ein Mensch dahinter steckt.

Ich muss gestehen, meine Erwartungen für die Pflege Zuhause waren nach all den Vorfällen so ziemlich keine. Weder bei meinem Vater, noch bei meiner Oma oder als mein Amca die letzten Tage Zuhause verbracht hat. Was ich jedoch hier erlebt habe, war unglaublich! Hier wurde die Pflege erbracht, die einem wieder Hoffnung gibt. Eine empathische, fürsorgliche und unglaublich geduldige Pflege, bei der die Zwischenmenschliche Versorgung ebenso Beachtung fand, wie die körperlichen Beschwerden. Das war möglich, weil die Pflegekräfte die nötige Qualifikation und Zeit mitbringen konnten.

Wer sich näher mit diesem Thema befassen möchte, dem empfehle ich das Buch von Alexander Jorde. Er ist Krankenpfleger-Azubi und zeigt bereits mit seinen jungen Jahren auf, wie man es anders und in dem Fall auch besser machen kann, um die Pflege in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Zuhause zu verbessern bzw. überhaupt zu gewährleisten.

Ausserdem gewährt Alexander einen interessanten Einblick darauf, was professionelle Pflege wirklich bedeutet und wie sie in der derzeitigen Realität tatsächlich aussieht.

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Toi toi toi und ab ins Lostöpfchen! Ich freue mich auch diesmal über jede Teilnahme :-)

Cheers,
Beyhan

PS: dieser Beitrag ist in freundlicher Kooperation mit dem Klett-Cotta Verlag entstanden

Kommentare

Liebe Beyhan,

es ist schon schrecklich, dass Menschen als Belastung angesehen, aber das es Millonen defizite in der Kasse dafür sind erschreckt mich noch mehr. Dafür werden Steuergelder verschwendet in nutzlose Brücken die zu nichts hinführt oder ein Podest im Park mit See, damit Leute den See besser sehen sollen. Dabei ist der nicht zu übersehen. Hallo?! Haben die da nicht alle Tassen im Schrank.

Noch erschreckender ist wie Deutschland mit den Thema Pflege im Alter umgeht. Nämlich gar nicht. Politiker tun so als sie selbst nicht altern würden. Naja, mit deren Rente die sie bekommen kriegen sie ja eine Luxuspflege. Dann gute Nacht Deutschland.
Traurige Bilanz.

Liebe Grüße

Laura T.

Du hast so Recht, liebe Laura!

wir hatten die Tage jemanden von MDK hier und sie meinte auch, dass die die viel Geld haben, sich keine Gedanken über die Pflege machen müssen...bei anderen, nun - sie hätte deinen Worten bestimmt ebenfalls zugestimmt.

Ich hoffe ja, dass ich nach meinem Opa komme. Der ist mit seinen Ü90 noch immer sehr fit und geht sogar seine tägliche Runde alleine spazieren.

Also das mit dem Podest am See ist ja echt der Knaller! Das ist bestimmt so etwas wie ein "wenn man es nicht selbst gesehen hat, dann kann man es nicht glauben"-Augenblick. Da weiß man nicht, ob lachen oder weinen...

Danke für deine Gedanken hierzu!
Liebe Grüsse

Beyhan

Liebe Beyhan.

ja, traurige Bilanz wie man mit Steuerngelder umgegangen wird. Hoppla! Dein Opa genießt und daher ist er so gut drauf. Ja, du wirst wohl die Genen geerbt haben. Mein Opa starb mit 103 (schlief ein und wachte nicht mehr auf) und meine Oma konnte nach über 57 Jahren Ehe nicht ohne ihn. Das ist meistens so nach vielen Jahren des zusammenlebens. Sie schlief ein wie mein Opa und wurde 98 Jahre mit pechschwarzen Haar. Meine Ur-Oma wurde sogar 115 und auch die ergraute nicht. Unheimliche Familie was? :-)

Liebste Grüße

Laura T.

Ich hoffe, dass ich die Gene von meinem Opa habe :D

Oh wow, Laura! Weiß eben gar nicht, über was ich mehr erstaunt sein soll. Das lange Lebensalter, die schwarzen Haare..die besondere Verbindung die deine Großeltern hatten?! ❤️
Da hast du zu deinem eh schon besonderen Wesen auch ganz besondere Gene bekommen :-)

Ja, eine unheimlich großartige Familie! :-)
Ganz liebe Grüsse x

******** DAS GEWINNSPIEL IST BEENDET ********

Liebe Laura,

Herzlichen Glückwunsch! :-)

Ich glaube, so einfach habe ich noch nie einen Gewinner bzw. eine Gewinnerin ermittelt :D sei bitte so lieb und schick mir deine/eine Anschrift, wohin ich das Buch schicken kann.

Du kannst mir gerne hier schreiben und ich lösche dann deine Anschrift oder du verwendest das Kontaktformular. Ganz wie du willst :-)

Wünsche dir noch einen schönen Sonntag x

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