10 Dinge, die in der Schweiz anders sind

14. Oktober 2015 - 15:00
Hokkaido Kürbis für den saftigsten Kürbis-Zimt-Kuchen nach einem Schweizer Rezept.

Eigentlich sollte ich mich um meine anstehende Reise nach London kümmern. Eigentlich. Aber nachdem meine Lieblingsblaubeere Uli die Tage in der Schweiz war, ich dazu immer wieder an manche Erlebnisse in der Schweiz erinnert wurde, widme ich den heutigen Post der schönen Schweiz ♡

Meine Tassen aus der Schweiz rausgekramt, heiße Schoggi gemacht und los geht's.

Als ich vor einigen Jahren in der Schweiz gelebt habe, sind mir so einige Unterschiede zu Deutschland aufgefallen. Ganz besonders nämlich folgende:

 

1. Gesprächsbeginn im Supermarkt

Als ich das erste Mal in einem Geschäft nach Hilfe fragen wollte, bin ich gleich mal mit meinem „Entschuldigung…ich…“ in ein Fettnäpfchen getreten. Dem Blick der Mitarbeiterin zu urteilen, habe ich offensichtlich sogar mit dem ganzen Körper darin gebadet. Kann aber auch an meiner kleinen Körpergröße liegen. Wie auch immer. In der Schweiz läuft das ganze nämlich so ab: wenn man in einem Geschäft etwas nicht findet, geht man auch hier zu einem Mitarbeiter. Dieser wird mit einem freundlichen „Grüezi“ oder „Guten Tag“ angesprochen, welches meist in gleicher Weise erwidert wird. Man trägt sein Anliegen vor und wenn der gesuchte Gegenstand etwas komplizierter zu finden ist, dann wird man tatsächlich sogar noch bis dahin begleitet. Letzteres kann einem auch in Deutschland passieren, wohingegen fast jedes Gespräch damit beginnt, dass man sich entschuldigt, etwas wissen zu wollen so a la „Entschuldigung. Ich suche …“ Richtig? Richtig. Daher auch mein Bad im Fettnäpfchen.
 

 

2. Verwendung des Namens x das schöne Sprachbild

Das Sprachbild und Redeverhalten. Sensationell. Ok, hier wurde z.B. zwar auch aus Grüße mein Grüsse* – was manch einen in den Wahnsinn treibt. Ich weiss. Aber da ich es optisch schöner finde, werde ich es auch noch länger so beibehalten.  Was mir aber noch mehr gefällt ist die Tatsache, dass man vor allem während eines Telefonates mehrmals mit dem Namen angesprochen wird. Selbst in meinem Fall. Ihr wollt gar nicht wissen, was man aus meinem Familiennamen hier in Deutschland alles gemacht hat. Ich sag nur „PorscheZ“. Wohingegen in der Schweiz selbst bei einmaliger Nennung mein Name perfekt wiederholt wurde. Es hat den schönen „Neben-“Effekt, dass das ganze Gespräch zudem persönlicher und verbindlicher wurde.

 

3. Tagesgruss

Man grüßt und dieser wird entsprechend der Tageszeit angepasst: „Guate Morga“ „Schöns Tägli“, „schöne Abig“ und taaata, selbst an den Nachmittag wird gedacht „Schöna Namittag no“ – ich weiß, dass alles gibt es in Deutschland auch. Jedoch wird es in der Schweiz sehr viel intensiver umgesetzt. Und ich weiss wovon ich rede, schließlich bin ich in einem bayerischen Dorf aufgewachsen, wo man das Grüssen noch zelebriert hat. Der / die Jüngeren die Älteren, es wird immer und jeder gegrüßt und nie weggesehen usw. Ihr hätte mich mal das erste Mal in München erleben sollen. Danach war mein Mund trocken...

 

4. Zeit lassen

Manche bezeichnen die Schweizer als sehr laaaaaaaaaaaaangsaaaaamm. Ich empfinde es eher als entschleunigtes Leben. Verbunden mit einer großen Portion Anstand und Geduld. Man gibt nämlich seinem Gegenüber auch die nötige Zeit, die er braucht. Ganz einfache und alltägliche Dinge, werden so seinem Gegenüber erleichtet und man selbst bleibt dabei auch ganz entspannt. So wartet man z.B. einfach, dass jemand aus der Parklücke ausparkt und fährt dann erst weiter. Als ich mal meine Schwester beim Einkaufen dabei hatte, wurde uns der Weg abgeschnitten und da ich meine Schwester bereits damals schon von der höflichen Art der Schweizer erzählt hatte, meinte sie "und was war das?", woraufhin ich nur antworten konnte "das war bestimmt ein Deutscher mit einem Schweizer Nummernschild." Was sonst? Eine andere Erklärung würde ja auch überhaupt gar kein Sinn machen.

 

5. Entschleunigt leben

Dieses Entschleunigen findet man übrigens auch auf den Autobahnen wieder. Durch das vorhandene Tempolimit (und dem Bewusstsein – sollte man dabei erwischt werden – man entsprechend zahlen darf und mit zahlen, meine ich wirklich zahlen – zur besserem Verständnis hier ein Auszug vom aktuellen Bußgeldkatalog) 120 km/h auf der Autobahn, fährt man auch hier ganz entspannt. Und ihr werdet feststellen, dieses Entschleunigen tut echt gut. Und man kommt somit auch gleich viel entspannter am Ziel an. Insgesamt überträgt sich das so gut wie auf ziemliches vieles im Leben. Auch wenn wir hier auf den Deutschen Autobahnen oft auch immer wieder ein Tempolimit haben, werdet ihr bei einer Fahrt durch die Schweiz den Unterschied sehr schnell feststellen.

Und ich bin bisher in keinem anderen Land, als in der Schweiz - aufgehalten worden, weil ich mit meinem Deutschen Kennzeichen tatsächlich angepasst dahingetuckert bin. Die Polizisten konnten gar nicht glauben, dass ich nichts zu verstecken oder verheimlichen hatte und mich alles andere als "unauffällig" verhalten wollte. Zum Glück hatte ich meine Schweizer Kollegen mit dabei, die dann auch zur schnelleren Klärung beitragen konnten.

 

6. Gastronomiescher Sternenhimmel x Gault Millau Punkteturm

Ich habe noch nie so eine Dichte an - bezahlbarer - Sterneküchen und Gault Millau Punkten erlebt wie in der Schweiz. Ok, mag vielleicht auch daran liegen, dass die Schweiz etwas kleiner ist als andere Länder, aber trotzdem. Eines meiner Lieblingsrestaurants und Lieblingsküchenhelden ist das Restaurant im Schloss Schauenstein in Fürstenau mit Andreas Caminada. Das besonders schöne hier - bereits beim Apero kann man den Genuss spüren. Und das noch schönere hier: wenn auf der Dessertkarte nichts schokoladiges angeboten wird, wird trotzdem spontan etwas sensationell leckeres auf den Tisch gezaubert. Ganz großes Kino! Und da neben mir noch ein paar andere Leute sehr begeistert sind von dieser Leistung: unbedingt vorher und vor allem rechtzeitig reservieren.

 

7. Einkaufen in einer Tankstelle

Man könnte jetzt glauben, dass das der totale Kontrast zur Sternenküche ist. Stimmt, allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Denn die Tankstellen, die bei mir in der Nähe lagen, hatten eine große Auswahl an frischen Backwaren, Salaten & Co., zudem noch eine Auswahl, wie in einem kleineren Supermarkt. Und Achtung, jetzt kommts: die Preise waren kaum höher, als in einem der regulären Supermärkte. Dieser Punkt und die Tatsache, dass die Tankstellen immer früher und länger geöffnet hatten als die regulären Supermärkte in der Umgebung, bescherrte der einzigen Tankstelle im Ort vermutlich die besten Umsätze im ganzen Kanton und nie abreissende Menschentrauben, welche Großteils auch ohne Fuhrwerk anzutreffen waren.

 

8. Gelebte Sprachenvielfalt

Ich hatte das Vergügen im Kanton Graubünden leben zu dürfen. Und hier wurde neben dem Schweizerdeutsch und diversen anderen Schweizer Dialekten tatsächlich auch noch Rätoromanisch gesprochen. Ich habe zwar nie ein Wort verstanden, dennoch habe ich unserem älteren Gärtner sehr gerne zugehört, wenn er sich einen Spass erlaubte und sich ausschliesslich so mit mir unterhielt. Am Ende übersetzte er mir zwar immer alles und drückte mich recht herzlich für mein geduldiges Zuhören, aber warum auch nicht. Wir hatten beide unseren Spass - er meine großen Augen plus den darin enthaltenen Fragezeichen und ich sein jung gebliebenes verschmitztes Lächeln. Dabei hätte er lockerfockig auch als Double von Heidis Grossvater durchgehen können! :D

Und auch allgemein, so viele Sprachen (4 Amtssprachen insgesamt) wie in der Schweiz - französisch in der Gegend um Genf und italienischen Richtung Lugano - werden wohl nirgends mehr gesprochen. Deshalb wundert mich Punkt 5 in dieser Liste ebenfalls nicht. Ich mag das unheimlich sehr, wenn man bereits als Kind mit vielen Sprachen aufwächst...

 

9. Kollegen im Kindesalter

In der Schweiz hat man bereits Kollegen im Kindesalter. Genau genommen bereits im Kindergarten - vermutlich sogar auch schon vorher. Ich habe wirklich gestaunt, als meine damalige Vorgesetzte erzählt hat, dass ihre Tochter an xy Tagen immer Kollegen mit nach Hause bringt. Ich weiß noch, dass ich sie ganz erstaunt angesehen und gefragt habe "und was machen die da? Sara geht doch mit vier Jahren noch nicht arbeiten? Oder?!?" Sie fing dann zum Lachen an und hat mich aufgeklärt. Der Begriff Kollegen konnte in dem Fall mit Fründe / Freunde ersetzt werden...und ich dacht schon ;-)

 

 

10. Die Liebe zu Lebensmittel

Die hat sich für mich in verschiedenen Bereichen widergespiegelt. Zu einem war die Auswahl z.b. bei den Joghurts weit kleiner, als in Deutschland. Jedoch konnten die Produkte Qualitativ sehr leicht mithalten, wenn sie nicht sogar oft ein Tick besser waren. Hier hatte ich oft das Gefühl - lieber Qualität als Quantität, was sehr meinem persönlicher Einstellung entspricht.

Dann war es auch so, dass ich hochwertige vegane Produkte bereits vor Jahren hier in der Schweiz kaufen konnte. Mit hochwertig meine ich auch geschmackvoll. Und käuflich im ganz normalen Supermarkt.

Die Wertschätzung den Lebensmitteln gegenüber und der Regionalität ist enorm. Auch wenn in den Schweizer (Standard) Supermärkten die Auswahl bei weitem nicht sooo riesig ist, wie man sie aus anderen Ländern kennt. Dafür wird hier sehr stark auf regionale Produkte wert gelegt und das was es in den Regalen zu kaufen gibt, hat eine hohe Qualität. So war es z.B. schwierig, Bio-Produkte an den „Mann“ zu bringen. Die Grundqualität der Produkte ist nämlich so schon hoch genug, sodass der Zusatz „bio“ für viele Schweizer als überflüssig angesehen wurde. Damit die Produkte dennoch einen Absatz finden, wurden sie ganz regulär als regionales Produkt verkauft. Ergo: hohe Grundqualität der Lebensmittel. So schliesst sich hier wieder der Kreis. Einzig einmal bin ich erschrocken, als ich Bündner Fleisch kaufen wollte und dann dank meines redefreudigen Wesens erfahren habe, dass es sich in dem Fall um Pferdefleisch handelt. Ich weiß, in München haben wir auch einen alteingesessenen Pferdemetzger, aber dennoch...ich habe mich brav dafür bedankt und habe vom Kauf dann doch Abstand genommen :-)

Mein Highlight neben den unglaublichen leckeren Käsesorten und der zum niederknien schmeckenden Engadiner Nusstorte, war die Schokoladenvielfalt! Besonders die Trinkschokoladen - die gab es mit weißer, dunkler & Milchschokolade. Ein Traum! Weg vom Kaba, hin zur echten Schokolade. Mittlerweile auch bei uns in den Supermärkten erhältlich. Und bei den Schokoladentafeln hat mir selbst die Milchschokolade in der Schweiz geschmeckt...neben den Marken Cailler, Ragusa & Co. war natürlich auch Lindt sehr stark vertreten. So stark, dass ich sogar mit Lindt einen wahr gewordenen Schokoladentraum erleben durfte :-) Entsprechend habe ich Luftsprünge gemacht, als ich vor einigen Tagen ein Paket mit Lindt Schoggi und der Einladung, diese nach Lust und Laune probieren zu können, bekommen habe. Ja, auch das war dann eines der Erinnerungen...was mich mit Lindt weit über die Grenzen der Schweiz und Deutschland verbindet, das erzähle ich euch dann im nächsten Post.

Hier und jetzt bekommt ihr noch ein leckeres Rezept eines weiteren Food-Klassikers. Der Kürbis-Zimt-Kuchen von Betty Bossi.

Das Rezept habe ich euch hier als pdf hinterlegt. Ich habe anstelle der Mandeln Walnüsse und beim Kürbis einen Hokkaido verwendet. Als Guss habe ich eine Zimtcreme über den Kuchen gegeben.

Die Zimtcreme ist eine Eigenkreation von mir und ist im handumdrehen hergestellt. Dafür braucht ihr:

  • 2 Esslöffel Frischkäse
  • 2 Esslöffel Agavensirup
  • 1/2 Teelöffel Zimt

Alles miteinander verrühren, über den Kuchen geben - ein paar gehackte Walnüsse drüber. Fertig.

Wichtig: solltet ihr - warum auch immer - wie ich den Kuchen versehentlich auf der mittleren Schiene gebacken und dann auch noch den Ofen viel zu früh ausgeschaltet haben - fragt nicht -, dann gibt es auch dafür eine gute Lösung. Den Kuchen einfach in 1 - 2 cm dicke Scheiben schneiden, auf dem Backblech verteilen und nochmal in den Ofen schieben. Funktioniert selbst dann, wenn der Kuchen längst abgekühlt ist ;-)

Ich bin dann mal Schoggi essen und komme mit dem vermutlich schokoladigsten Post wieder. Eisbecher inklusive - trotz Herbst!

Cheers,

Beyhan

*In der Schweiz gibt es nämlich kein ß

PS: noch mehr Schweiz gibt es hier :-)

Kommentare

Liebe Beyhan,

ich glaub, ich will verreisen... Ich war noch nie in der Schweiz aber so ein unglaublich liebenswertes Land MUSS ich einfach mal besuchen. Vielen Dank für eine so schöne Auflistung und viel Spaß in London!
Alles Liebe
Barbara

Liebe Barbara,

ich kann dir die Schweiz von ganzem Herzen mehr als empfehlen. Dabei möchte ich behaupten, dass es fast schon egal ist, in welcher Gegend der Schweiz du unterwegs bist...es stellt sich lediglich die Frage "in welcher Sprache möchtest du dich vor Ort unterhalten?" ;-)

Lieben Dank, den werde ich bestimmt haben xx

Liebe Beyhan,

wie immer ein Genuss hier!
Ich liebe die Schweiz. Zwar war ich erst 2x dort, aber das reichte schon aus :)
Ich wünsche dir viel Spaß in London (NEID!!!) und grüße die Stadt von mir.

Liebsten Gruß!
Julia

Beyhan, dieser Post gehört ab sofort zu meinen absoluten Lieblings-Posts von dir!!!
LOVE!!!! So schön!!!
Liebste Blaubeer-Grüße

Liebe Beyhan
Da ich selber Schweizerin bin und in Graubünden wohne, habe ich natürlich sehr interessiert deine Meinung zu uns Schweizern gelesen. Deine Sicht auf unsere Mentalität kommt mir sehr bekannt vor, stammen doch zwei meiner Schwägerinnen aus Deutschland. Über ihre ersten Eindrücke über die Schweiz und deren Bewohner gibt es so manch lustige Anekdote. Da lachen wir auch heute noch darüber.
Essen war ich leider noch nie im Schloss Schauenstein, aber ist bestimmt ein Besuch wert. Allein schon wegen Caminada.
Ich grüsse dich herzlich aus Malans
Karin

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