„No matter where we are, we are here.” Mrs Abrahams

6. Juli 2017 - 10:00
Welches Museum man in Kapstadt auf alle Fälle besuchen und sehen sollte - meine Empfehlung auf dem Blog Beyhan Food Travel Life.

Wenn ich als „selten in Museum-Geherin-weil“-Mensch euch ein Museum ans Herz lege, dann hat das was zu bedeuten…sehr viel sogar!

Ich hatte bereits HIER auf der Walking Tour einiges über District Six erfahren. Später hatte ich im Gespräch mit Einheimischen, insbesondere mit Aaliya sehr viel mehr über das Land, die Menschen und deren sehr bewegenden Geschichte erfahren. Also nichts aus Geschichtsbüchern, sondern von Menschen, die das selbst oder deren Familien das noch selbst erlebt haben...

Wusstet ihr, dass es in Kapstadt auch ein Holocaust Museum gibt? Ich hatte es Online bei Google Maps gesehen und gedacht, dass das ein schlechter Scherz ist. Leider ist das echt. Wer mehr über die Hintergründe erfahren möchte: www.ctholocaust.co.za

...und District Six ganz gut die bewegenden Geschichte Südafrikas darstellt?

Man hat hier die überwiegend farbige und schwarze Bewohner in einer Art „Nacht und Nebel“-Aktion vertrieben, dann alles abgerissen, um so Bauland zu gewinnen und diese dann teuer an die weiße Bevölkerung zu verkaufen. Als die weiße Bevölkerung jedoch davon erfahren hat, haben sie sich geweigert – selbst zum Großteil bis heute noch, diese Grundstücke zu kaufen, geschweige denn zu besiedeln. Man war erwacht und hatte erkannt, dass diese Art des Miteinanders alles andere als Humanitär ist. Zum Glück. Was jedoch den vertriebenen keineswegs geholfen hat. Sie hatten ihr Grund, ihr Zuhause und somit ein großes Stück ihrer eigenen Geschichte verloren.

Das Argument, weshalb die damalige Bevölkerung umgesiedelt werden musste war die, dass die Kriminalität überhandgenommen hätte. Jedoch war dies nur ein fadenscheiniges Argument, weil bis dahin diese hier kaum bis gar nicht zu spüren war. Alles nur, damit sich Apartheid Befürworter mehr Macht verschaffen können...vermeintlich mehr Macht, denn die aktuelle Situation beweißt eine andere.

Man könnte zwar jetzt sein Grundstück wieder zurück bekommen, jedoch fehlen den meisten den Unterlagen und die nötigen Nachweise, die der Staat von diesen fordert. Die persönlichen Dokumente wurden bei der "Räumgungsaktion" damals einfach mit den Häusern vernichtet. Paradoxerweise liegen diese trotzdem bereits in den staatlichen Archiven vor…nur liegt hier wohl das Interesse an ganz anderer Stelle. Denn, wenn niemand sein Bauland beansprucht bzw. ja wohl eher beanspruchen kann, dann besteht die Möglichkeit, es ganz offiziell anderweitig zu verkaufen und damit Geld zu machen.

Die bewegenden Geschichten der Menschen, die mal hier gewohnt haben, sind hier im Museum dokumentiert und das ganz besondere – wirklich besondere hier, ein ehemaliger District Six Bewohner, der das Ganze am eigenen Leib miterlebt hat, steht vor Ort für Fragen und für eine persönliche Führung zur Verfügung.

Ich war mit einer privaten Gruppe dort und Aaliya meine persönliche Heldin kannte ihn so gut, sodass er dann sich später noch zu uns ins dortige Café gesellt hat und wir ihm sogar dort noch Fragen stellen konnten.

Auch wenn ich seinen Namen vergessen habe #shameonme – eine beindruckende Persönlichkeit war und ist er dennoch. Und deshalb auch meine Empfehlung: bucht die Tour durch das Museum mit ihm. Das nennt sich die „with an ex-resident / guide“ tour. Die kostet pro Person gerade mal 1 € mehr – was man dafür im Gegenzug an Informationen bekommt: unbezahlbar.

Insgesamt vermittelt das Museum einen das Gefühl, wie es früher war - es erinnert und mahnt, ohne einem die Luft zunehmen. Und auch wenn es mich sehr traurig gemacht zu sehen, wie Menschen untereinander umgegangen sind, würde ich auf jeden Fall nochmal hingehen.

Im Museum war ich einen Tag vor meiner Abreise und hatte ein Schlüsselmoment, welches ich nicht erwartet hätte. Es hat etwas mit meiner persönlichen Geschichte und meinen Wurzeln zu tun…vielleicht schreibe ich mal einen gesonderten Blogpost darüber. Mal sehen.

Heute und jetzt möchte ich euch auf jeden Fall einen Besuch im Museum empfehlen und damit ihr wisst wohin und euch ggf. vorher schon etwas einlesen könnt, hier die nötigen Informationen:

The District Six Museum
25A Buitenkant Street
8001 Cape Town / South Africa

www.districtsix.co.za

 

Cheers,

Beyhan

PS: Aaliya ist Lehrerin in Kapstadt mit einem unglaublichem geschichtlichem Wissen. Dazu engagiert sie sich unermüdlich für die Menschen in den Townships. Das Projekt welches sie ehrenamtlich betreut, nennt sich Rainbow Dreamers- Volunteer Project – wer sich dafür interessiert und es ggf. auch unterstützen möchte, HIER der Link zur Seite auf Facebook.

 

PPS: Wer ein wirklich tolles Buch zum Thema "Südafrika und Apartheid" lesen möchte, dem kann ich das leicht und unterhaltsam geschriebene Buch Born a Crime: Stories from a South African Childhood von Trevor Noah empfehlen. Lese- und Hörprobe sowie weitere Informationen dazu findet ihr HIER.

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